• Buchpräsentation von Oberrabbiner Goldschmidt “Communitate et Orbi – für die Gemeinschaft und für die Welt”.

    München – 12. Juli 2019: Ein Zeichen gegen Antisemitismus und für den Dialog der Religionen haben der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER) Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und der Erzbischof von München und Freising sowie Präsident der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx bei einer gemeinsamen Diskussion im Alten Rathaus von München gesetzt. Anlass des Gesprächs der beiden Religionsvertreter war das Erscheinen des Buchs von Goldschmidt mit dem Titel “Communitate et Orbi – für die Gemeinschaft und für die Welt”.

    Es kommt nicht alle Tage vor, dass zwei so wichtige Protagonisten der monoethischen Weltreligionen an einem Ort zusammenkommen. Umso spannender und interessanter waren für das gut 200 Personen zählende Publikum die Einblicke in die unterschiedlichen Sichtweisen von Oberrabbiner Goldschmidt und Kardinal Marx. Den einführenden Grußworten von Charlotte Knobloch, Präsidenten der Israelitische Kultusgemeinde München „Es wird viel zu viel über uns und zu wenig miteinander gesprochen“ und Manuel Pretzl, dem Zweiten Bürgermeister der Landeshauptstadt München „Wir empfinden es als eine große Freude und Dankbarkeit, dass jüdisches Leben fester Bestandteil Münchens ist“, folgte eine vom ehemaligen Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, Sigmund Gottlieb moderierter lebhafte Diskussion über die zahlreichen religiösen, kulturellen und sozialen Fragen diskutieren, die in diesen Zeiten Europa bewegen. Dabei bezeichneten Kardinal Marx und Oberrabbiner Goldschmidt den jüdisch-christlichen Dialog als ausgezeichnet. Dieser sei ein Vorbild für andere Länder, so Goldschmidt, was auch Marx bestätigte. Man sei miteinander im ständigen Dialog, auch wenn das die Öffentlichkeit nicht unmittelbar wahrnehme. In diesem Austausch entstünden viele gemeinsame Texte, die uns verbinden, sagte Marx. Der gemeinsame Austausch bedeute doch, sein Gegenüber ernst zu nehmen, ihm zuzuhören und neugierig auf den anderen zu sein. Das sei auch der Gegenentwurf gegen den wachsenden Antisemitismus in Europa. Dieser sei wieder auf dem Vormarsch, warnte Goldschmidt in der gemeinsamen Diskussion. „Die Religionsfreiheit ist in Europa wieder bedroht, was man an den populistischen Debatten sieht, die sich etwa gegen Beschneidungen und religiöses Schlachten richteten.“ Sollte sich dieser Trend laut Goldschmidt in Europa durchsetzen, würde dies hierzulande auch das Ende von einem organisierten jüdischen Leben bedeuten. Der wachsende Antisemitismus in Europa lasse sich letztlich nur erfolgreich bekämpfen, wenn die große Mehrheit der Bevölkerung dabei mitmache, sagte Goldschmidt. „Antisemiten sind auch gegen den Gott der Bibel, denn sie wollen Gott zum Schweigen bringen“, ergänzte Marx. Auch wenn er das Problem nicht kleinreden wolle, sagte Marx, so wolle er doch betonen, dass 80 Prozent der Bevölkerung in Deutschland keine Rassisten seien. Zugleich gelte auch, dass Christen und Juden keiner mehr auseinanderbringen dürfe. Für beide war am Ende der Debatte klar, dass sie trotz aller politischen und gesellschaftlichen Turbulenzen eine gemeinsame Zukunft in einem demokratischen und pluralistischen Europa sehen. Die Religion wird hierfür ein wichtiger Begleiter sein und bleiben.